• in der Inselgalerie

119. Ausstellung | FOTO IM PLAKAT- Fotografie im Berliner Ensemble

01.-17.09.2005

Vera Tenschert – Fotografie
Karl-Heinz Drescher – Plakat

Fotografie am Berliner Ensemble

Vernissage der 119. Ausstellung am 8. September, Donnerstag
Thomas Heise spricht zur Ausstellung

Finissage am 17. September, Samstag
Hans-Joachim Frank liest Brecht

-> In Zusammenarbeit mit dem Bund der Szenografen

Vera Tenschert

Vera Tenschert

Vera Tenschert, 1936 in Berlin geboren.
Marie-Thérèse Kerschbaumer über Vera Tenschert: „Die Fotos haben Stil in dem Sinne, wie ihn der französische Poet und Filmemacher Jean Cocteau einmal formulierte: als die Art, komplizierte Dinge auf sehr einfache Weise zu sagen; einen Gedanken heraus zu arbeiten.“

1951-54 Ausbildung als Fotografin im Lette-Verein, Berlin
1954-91 am Berliner Ensemble als Theaterfotografin engagiert, Bekanntschaft mit Brecht
1981 „Helene Weigel“ – ein Buch über Helene Weigel im Henschelverlag
seit 2000 „Die Weigel“ in Fotografien von Vera Tenschert im Henschelverlag
Ausstellungen und Veröffentlichungen im In- und Ausland

Karl-Heinz Drescher

Karl-Heinz Drescher

Karl-Heinz Drescher, 1936 in Quirl/Riesengebirge geboren, lebt und arbeitet in Berlin.

Anne Braun über Drescher:
„Als Anfang der 60er Jahre der 1936 geborene Drescher nach einem Studium als Gebrauchsgrafiker an das Berliner Ensemble kam, setzte er die Traditionslinie fort, die er mit eigenen Ausdrucksmitteln zu verknüpfen verstand.“

1955 Abitur in Neustadt/Orla, Thüringen
1955-60 Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein, Fachrichtung Gebrauchsgrafik bei Prof. Walter Funkat
1960-62 freischaffend in Halle/Saale tätig
1962-99 am Berliner Ensemble als Theatergrafiker engagiert; Arbeit auf den Gebieten Plakat, Buch, Ausstellung
Poster1Tenschert

Plakat

Karl-Heinz Drescher und ich sind unterschiedlicher nicht zu denken. Unsere Zusammenarbeit orientierte sich immer am konkreten Gegenstand – wir stritten um das beste Foto. Für das beste Plakat. Meine Arbeit begann immer ohne ihn; auf den Proben versuchte ich, den entscheidenden Moment, die bestimmenden Punkte der Szenen herauszufiltern, durch Zusehen und Zuhören die das Stück bestimmenden Vorgänge zu erkennen. Für mich ging es im Ergebnis einer Probenphase um das Festhalten eines schauspielerischen Augenblicks, den ich in Übereinstimmung mit den Intentionen der Regie wähnte – und der mich als Zuschauerin berührte/ ergriff. Den ich verstand. Und den ich abbilden konnte als eine Art Komprimierung einer Grundsituation des ganzen Stückes in einer Figur oder in der Beziehung von Figuren zueinander und in einem Bild. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit, immer noch für mich und ohne Partner, bestand dann in einer ersten Auswertung des Kontaktmaterials. Einer der wichtigsten Aspekte von Fotoauswahl ist der der Zeit. Ich musste es mir leisten können, Probeabzüge liegen zu lassen, um hin und wieder einen wenn auch flüchtigen Blick darauf werfen zu können, um später, mit einem beinahe fremden Blick, eine erste Auswahl treffen zu können. Eine Auswahl für Karl-Heinz Drescher. Diese überließ ich ihm; es war mir wichtig, dass er sich ebenfalls ohne prüfende Blicke und Kommentare ein Bild vom Fotomaterial machen konnte. Ich war gespannt auf seine Reaktion, auf die Wirkung der Bilder auf andere. Karl-Heinz Drescher machte Vorschläge zur Gestaltung. Er zögerte. Er wiegte den Kopf und erbat sich mehr als einmal die Kontaktmappe. Er filtrierte Seite für Seite, jedes mal 36 Kontakte, sofern es sich um Kleinbildfilme handelte. Er suchte nach einer Entsprechung, nach einem möglicherweise anderen Ausdruck. Plötzlich fiel die Wahl auf den Ausschnitt eines Fotos, den ich so nicht in Betracht gezogen hatte. Eine neue Idee, für die ich mich begeistern konnte und die sich lohnte, zur Diskussion zu stellen. Die endgültige Entscheidung der Auswahl eines Fotos für ein Plakat fand im Team statt: Unter Einbeziehung aller Begründungen für oder gegen ein Foto, unter Hinzuziehen neuer Arbeitsergebnisse und eines aktuellen Probenstandes. Vera Tenschert