• in der Inselgalerie

196. Ausstellung | in memoriam LEA und HANS GRUNDIG

27.09. – 27.10.2012


Grafik von Lea und Hans Grundig
aus der Sammlung von Maria Heiner, Dresden
 
Vernissage am 27. September, Donnerstag, 19.00 Uhr
Finissage am 27. Oktober, Samstag, 15.00 Uhr

 


 

 

Im Jahre 1933 begannen Lea und Hans Grundig mit einer neuen druckgrafischen Technik, der Radierung. Als Hans Grundig eine kleine Tiefdruckpresse erwarb, konnten sie auch selbst drucken. Ihre ersten Radierungen stellten Straßenszenen dar und Lea Grundig dokumentierte das ärmliche Leben von Frauen aus dem proletarischen Milieu zur Zeit der großen Weltwirtschaftskrise. Es entstand die Folge »Frauenleben«. Nach Hitlers Machtantritt wurde die Situation bald anders. Die Darstellung der Not, des Mangels, des Leidens des Proletariats war nicht mehr ausreichend. »Man musste den Wahnsinn, der Dummheit und Verblendung verbreitete, der Hass predigte und den bisher scheußlichsten Massenmord vorbereitete, darstellen und die Kraft, die trotz aller Gestapo lebte«, schrieb Lea Grundig in ihrer Autobiografie. Damals entstanden etwa 150 Radierungen von Lea und 80 von Hans Grundig. Wie in fliegender Hast, sie wussten nicht, wie viel Zeit ihnen noch blieb, bemühten sich beide, den Faschismus in ihren Bildern zu entlarven. »Ich war nicht fantastisch wie Hans, aber auch meine Vorstellungskraft war groß. Ich konnte mich in alle Situationen und Menschen hineindenken, oft bis zur Qual. Aber ich blieb beim Menschen, dessen Gesicht mir immer das unendliche Widerspiel aller Wesenheit war. Ich wollte die tausend Ängste, die Ahnung des Furchtbaren, die Unfreiheit der Belauschten, Verfolgten darstellen. Ich wollte die Entmenschlichung zeigen und den Kampf der Besten dagegen. Und ich wollte warnen vor dem Krieg, der herankam«, so Lea Grundig zu ihren Folgen »Unterm Hakenkreuz«, »Der Jude ist schuld« und »Krieg droht!«.
 
»Hans kleidete seine Aussage in Tiergestalt (Folge »Tiere und Menschen«). Seine Tiere waren Tiere und dabei noch mehr: Wesen mit der Prägnanz eines bestimmten Charakters. Es gab die sklavischen Hunde, die in Rudeln auf den Einzelnen stürzten und ihn zerrissen auf höheren Befehl, dem sie sich willenlos fügten.« (Lea Grundig) »Und da waren die Schweine. Über sie dichtete Hans mit einer Phantasie, die der Hass beflügelte. Sie waren hässlich, gemein und dumm… Sie hoben die Pfote zum Heilgruß. Menschen in ihrer Mitte waren in Gefahr… Es war ihre Zeit, in der sie fetter und mächtiger wurden denn je.« (Lea Grundig). »Und dann waren da die Pferde, die Hans liebte, in ihrer Feinfühligkeit, ihrem Stolz. Sie, die Lebendes nicht zerreißen, nicht Blut vergießen und nicht bedrohen, sie waren die Verkörperung des Volkes, seiner wirklichen Menschen. Und sie wurden gejagt, aber sie schlugen auch zurück.« (Lea Grundig)