• in der Inselgalerie

218. Ausstellung | 23.10. – 29.11.2014


 

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Johanna Schoenfelder Elde Steeg Toni Florence Mau

Vernissage: 23.10.14, Donnerstag, 19.00 Uhr
Finissage: 29.11.14, Samstag, ab 15 Uhr

 


 
Mit der Ausstellung »Wieder im Licht II« knüpfen wir an unsere Ausstellung »Wieder im Licht« vom Mai 2013 an. Damals erinnerten wir an acht im Nationalsozialismus verfolgte und in der Nachkriegszeit vergessene Künstlerinnen. Für 2014 konnten wir die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin nicht von der Dringlichkeit einer Fortsetzung dieser Reihe »Wieder im Licht« überzeugen. Wir haben deshalb mit eigenen Kräften und sehr bereitwilligen Leihgebern eine Fortsetzung mit drei Künstlerinnen erarbeitet.
Die Künstlerinnen, denen wir im Oktober 2014 ein Gedenken widmen, gehören zwei Generationen an. Elde Steeg (1908-1988) und Toni Mau (1917-1981) gehörten zu den bedeutendsten Künstlerinnen, deren Schaffen durch die Nazizeit unterbrochen wurde. Johanna Schoenfelder (1945-2011), eine Vertreterin des Phantastischen Realismus, steht für die Nachkriegsgeneration.
Allen dreien gemeinsam ist die Konzentration auf ihre schöpferische Entwicklung und der Überlebenswille als Künstlerinnen. Kompromisslos und hochproduktiv verfolgten sie ihren Weg durch schwierige Zeiten.
 


 

 Johanna Schoenfelder  
JOHANNA SCHOENFELDER
1945 – 2011
1945 in Coburg geboren
1966/72 Studium an der Hochschule für bildende Künste, Berlin
1971 Meisterschülerin bei Gerhart Bergmann
1972/73 DAAD-Jahresstipendium für Spanien, Barcelona
seit 1973 freischaffende Malerin und Grafikerin
1992/93 Betreuung der Radierwerkstatt während der FBK, Berlin
2008/09 Radierkurse mit Kindern in der Schwartzschen Villa, Berlin
2011 in Berlin gestorben
Ausstellungen ( Auswahl)
1971 Bremen, Kunsthalle Bremen
1973 Barcelona, Galeria AS
1974 Barcelona, Galeria Grafica
1975 Berlin, Galerie Stübler und Galerie November
1976 Montparnasse Mykonos »Exposition internationale d’art graphique«
1977/79 Bergheim, Galerie Schmiedel
1982 Coburg, Galerie »27«
Solingen, Galerie Alftermann
Bergheim, Kunstverein Schwetzingen
Galerie Schmiedel
1985 Mallorca, Museo de Soller,
La Palma, Galerie Gundersen
1989/90 Verein Berliner Künstler, »Drei Künstler der Gruppe Happ«
1993 Köln, Kunstverein Wesseling
1995 Berlin, Congress Centrum
1996 Japan, Sapporo, International Print Biennale
2000 Asti, Museo Civico, Mombercelli
2003 Berlin, Galerie Novalis
2005 Hamburg, Photo.Kunst.Raum
2009 Bonn, Frauenmuseum
2011 Berlin, Literaturhaus
Teilnahme an Gruppenausstellungen u.a. in Spanien, England, Belgien, Griechenland, Mexiko, USA und Japan.
Preise
1990 Exlibris Wettbewerb, Lorch
1991 Kunstpreis Kunstverein Wesseling
1994 »Miniatur in der bildenden Kunst«, Ausstellungszentrum Fürstenwalde/Spree

 
Meine imaginäre Stadt liegt am Ende meiner Zeichnungen. Sie geht Ihnen nicht voraus. Das Resultat kann ich nie vorhersehen
… Was ich mache, wird durch den Manierismus, den Surrealismusund Giorgio di Chirico verständlich
… Ich habe immer gezeichnet, – als Kind in der Schule habe ich gezeichnet, um eine Welt zu erschaffen, die mir gehörte und die ich bewahren wollte
… Meine Welt besteht aus Gegenden, wo die Strukturen sich gekreuzt haben.
… Ich muss Dinge zusammenstellen, die in der Natur nicht spontan zusammen gehören, so dass sie auf eine andere Art leben und (vielleicht) neue Perspektiven eröffnen können
… Das Leben ist für mich Formen und Farben, und es ist wichtig zu entziffern, was sie umgibt … Mein Vorgehen?
… Die Dinge anders betrachten und neu erschaffen … neu zusammenstellen … In meiner Welt gibt es keine Menschen, aber das Ergebnis ihrer Handlungen.

Johanna Schoenfelder, 1972
 


 
Hanna Schoenfelder … hat uns ihre Erfahrung, Beherrschung und Phantasie auf dem Felde der Zeichnung und Radierung gezeigt. Ihre wunderbare Arbeit unterwirft sich weder der Strenge der Technik noch wird sie Opfer eines kunsthandwerklichen Purismus; alles steht im Dienste einer magischen, surrealen Kreation, in der alte architektonische Räume, objets démodés, neoklassische Girlanden, irreale Gitter eine Welt mit phantastischer Atmosphäre schmücken, in der man nicht weiß, was Realität ist und was Fiktion.

Daniel Giralt-Miracle, 1973
 
Zur Ausstellung „Wieder im Licht II“ erschien in Zusammenarbeit mit der Inselgalerie eine einmalige Limited Edition von 40 Exemplaren der Radierung »Kleine Architektur«.


Die Radierung stammt von der Original-Druckplatte aus dem Nachlass von Johanna Schoenfelder. Bildformat:8,4 x 9,4 cm, Blattformat: 40 x 30 cm.
 


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  Elde Steeg
ELDE STEEG

1908 – 1988

   
1908 als Elfriede Stegemeyer in Berlin geboren
1930 Studium an der Staatlichen Kunstschule Berlin-Schöneberg bei Curt Lahs und Heinrich Kamps
Bekanntschaft mit der Gruppe der Kölner Progressiven, die Kunst und Politik verbinden wollen
1932 Abbruch des Studiums in Berlin, Studium der Fotografie an den Kölner Werkschulen; aktives Mitglied der Kölner Widerstandsgruppe »Rote Kämpfer«
1933 – 39 umfangreiche fotografische Arbeiten, Reisen.
Rückzug in die ‚innere Emigration‘
1943 verliert bei einem Bombenangriff alle frühen bildnerischen und fotografischen Arbeiten
1945 Neuanfang als elde steeg, arbeitet wieder als Malerin, zunächst Hinterglasbilder
1961 Umzug nach München wegen ihrer Trickfilmarbeiten
1964 Experimente mit Fließbildern, dabei spielen Zufall und Ordnung eine große Rolle
1974 Heirat mit Walter Schmidt, Umzug nach Innsbruck
Beginn der letzten Schaffensperiode mit neuen künstlerischen Experimenten: Serien von Zellstrukturen, dreidimensionale Objekte entstehen, bio-logische Systeme
elde steeg will mit Mitteln der Kunst naturwissenschaftliche Prozesse deuten.
1988 in Igls bei Innsbruck gestorben
   
Auswahl Personalausstellungen / Malerei
1951 Berlin, Galerie Springer, Hinterglasbilder 1950-51
1959 Bremen, Paula-Becker-Modersohn-Haus, Bilder und Zeichnungen 1950-59
1968 Stuttgart, GEDOK-Haus
1978 Innsbruck, Kongresshaus, Kunst und Wissenschaft
1984 Bonn, Frauenmuseum, Experimente mit gespiegelten Formen und Profilen
1988 Innsbruck, Stadtturmgalerie, Collagen, Kasten- und Wendebilder
1993 Landeck (Tirol), Gymgalerie
2004 Innnsbruck, Kunsthistorisches Institut, das zeichen für leben

 
selbst der ort, wo mein fuß ruht, schwankt zwischen raum und zeit, und es ist schwer, einer wirklichkeit zu trauen, die sich als schein erweist, dass tal zugleich berg ist, der schatten gewicht, der zufall auch formgesetz, die blickrichtung den inhalt vernichtet und neu wieder baut gib dich dem flüchtigen grund und – es kommt die beglückung. lebendiges zeichen: ein blatt wird zur landschaft mit himmel und mond: ein stein in den händen, um an der strasse

elde steeg, 1955
 


 
elde steegs künstlerische Prägung vollzog sich in jenen Jahren des Übergang von der Weimarer Prpublik zum nationalsozialistischen Regime. Sowohl die künstlerischen als auch politischen Überlegungen der Rheinischen Progressiven bestimmten ihren künstlerischen Weg maßgeblich. In den Nachkriegsjahren löste sich elde steeg vom Konstruktivismus vollzog den Schritt von der Figuration zur Abstraktion. In den Mittelpunkt rückten für sie in erster Linie bildkünstlerische Fragen. Der nächst künstlerische Schritt führte elde steeg Mitte der 60er Jahre zu sogenannten Fließbildern, bei den sie mit dem Kunststoffbinder Caparol arbeitete. Dieser erlaubte der Künstlerin, mit dem Prinzip des Zufalls zu experimentieren: ein Wechselspiel von Agieren und Reagieren. Mit der Werkgruppe der bio-logischen Systeme knüpfte die Künstlerin an Erreichtes an: Spiegelung, Drehung, Reihung, Verdoppelung, Verdrei- und Vervierfachung der Formen.

Barbara Nierhoff-Wielk, aus einem Katalogbeitrag, Bremen 2010
 


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  Toni Florence Mau
TONI FLORENCE MAU

1917 – 1981

 
1917 in Berlin geboren
1934-39 Studium Malerei an der Kunstgewerbeschule Charlottenburg bei Max Kaus und Hans Orlowski
1939-41 freischaffend als Malerin, u.a. Zeichenlehrerin in Berlin
1941-43 Fortsetzung des Studiums an der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg
1943-45 wieder freischaffend
1945-46 Arbeit für die Rote Armee und Zeichenlehrerin in Werneuchen
1946-48 Fortsetzung des Studiums an der Hochschule für bildende Künste Berlin-Charlottenburg und erste plastische Arbeiten
1949 Umzug in die DDR nach Schöneiche bei Berlin
seit 1951 Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR
Zahlreiche baugebundene Arbeiten
1953-57 Dozentin für Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wegen Formalismus-Vorwurf entlassen
seit 1957 wieder freischaffend, baugezogene und kunsthandwerkliche Arbeiten
Experimente mit Siebdruck und Rauhfaserdruck
1981 in Berlin gestorben
   
Ausstellungen:
1966 Berlin, Verkaufsgenossenschaft Bildender Künstler
1967 Kuba, Havanna und Provinzen
1968 Erfurt
1971 Halle-Neustadt
1974 Berlin, Galerie im Turm
1978 Berlin, Studio Bildende Kunst Berlin-Lichtenberg,
Schlossgalerie Berlin-Köpenick
1981 Suhl, Galerie am Steinweg
KönigsWusterhausen, Kleine Galerie des Kulturbundes
1982 Berlin, Galerie Unter den Linden
1984 Berlin, Galerie in der Deutschen Bücherstube
 
Werke von Toni Mau befinden sich u.a. in der Akademie der Künste, dem Kupferstichkabinett Berlin, dem Kupferstichkabinett Dresden, der Kunsthalle Rostock, dem Museum Schwerin, dem Institut für Kunstausstellungen Berlin, dem Märkischen Museum Berlin, der Galerie Lidice, in öffentlichen Sammlungen in Finnland und Kuba und in zahlreichen Privatsammlungen.

 
„Landschaft, Porträt, Stillleben usw. werden von jedem Künstler auf persönliche Weise gestaltet. Die Formen-sprache zeigt nicht nur den jeweiligen Gegenstand, sondern ist auch Ausdrucksträger von Heiterkeit, Ernst, Trauer, sie ist leise oder laut, robust oder sensibel und damit Ausdruck der Persönlichkeit. Diese kann nicht getrennt von Zeit und Umwelt entstehen, auch wenn der Gegenstand aus der Welt der Phantasie stammt.“

Toni Mau, 1978
 


 
Wenn die Geschichte der Graphik umfassend betrachtet wird, wird Toni Mau genannt werden müssen. Es bleibt ihr historisches Verdienst, in der DDR um 1956 schon auf den Siebdruck aufmerksam gemacht zu haben. Für neue graphische Techniken, die neuartige künstlerische Wirkungsmöglichkeiten erschlossen, hatte sie eine besondere Vorliebe. Toni Mau war auf der Suche nach einem sinnfälligen Ausdruck ihrer bildkünstlerischen Sprache. Spielerisch und traumhaft verwandelte sich das Leben, besonders in ihrer Graphik in den letzten Jahren. Phantasievolle Darstellungen, begleitet von heiteren Titeln, kennzeichnen ihre Rauhflächendrucke.
Um 1962 hatte sie die ersten Versuche gemacht, ihrer Phantasie stärker Gestalt zu geben. Sie fand das, was wir heute an ihren Arbeiten schätzen: Das heiterironische Spiel, die kleinen artistischen Auftritte, die dem Puppen- und Schattenspiel zuweilen eng verwandt scheinen.
Die farbigen Blätter signalisieren zuweilen fast Übermut. Der Reliefdruck bespielsweise führte sie zu reliefplastischen Arbeiten, die sie wiederum zu graphischen Umsetzungen und Variationen anregten. Und so blieb Toni Maau in ihrer Kunst jung und schöpferisch.

Hartmut Pätzke, 1981
 


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[der Flyer zur 218. Ausstellung als PDF]